Sampled
Morgens, 8 Uhr, bevor der große Wahnsinn im Büro losgeht werfe ich einen Blick auf verschiedene Internetseiten die sich in den Tagesablauf integriert haben wie das Apple Logo in heutige Unterhaltungselektronik. Nach ein paar Newstickern und Foren lande ich bei meinVZ, dem studiVZ Ableger für Leute die schon was erreicht haben oder bereits bei der Uni-Einschreibung gescheitert sind. Schon die Startseite offenbart was neben Wirtschaftskrise, Schweinepest und Koalitionsverhandlungen heute noch wichtiges die Welt interessiert:
Jeanette hat Hunger, Sebastian dröhnt der Schädel, Benjamin hat gefrühstückt, Susanne sucht ihre Armbanduhr und Frank wirbt für einen Event im 463 km entfernten Club um die Ecke… dazu zwei Krankmeldungen, Urlaubsgrüße, Danksagungen und Antworten auf Kommentare anderer die sich offenbar nicht in meinem Freundeskreis befinden. Ich hätte ebenso den Kaffeesatz lesen können, doch unser Espressoautomat wird gerade gewartet.
Weiter unten finden sich Gruppeneinladungen zur 152. Kölner Partyreihe, irgendne verzweifelte Henne hat mich gegruschelt und Janine Karamutzinzki hat Geburtstag. Wer ist das eigentlich? Der Blick auf ihre Fotos soll Klarheit bringen. Leider ist es mir nicht möglich sie auf verlinkten Eventflyern oder Hundefotos zu finden, noch ihre Identität anhand der zwei Berge im Doppel-D Dekolté des Profilbilds zu erahnen. Ich wünsche den beiden dennoch alles Gute auf der Pinnwand.
Weiter geht's zu Wer-kennt-Wen, eine Seite auf der man Leute die man Morgens auf dem Weg zum Bäcker fast überfahren hätte nun zum Bekannten machen kann, wenn man will. Und die meisten wollen, das zeigen Bekanntenlisten mit mehr als 1000 Einträgen sehr deutlich. Mein Freund Ralf z.B. kennt sehr viele Leute. Mehr als ich. Mehr als ich je kennen werde. Mehr als man es ihm, Mitte 40 mit Frau, Kind und dicker Hornbrille zutrauen würde. Und was das für Leute sind, unglaublich. Viele der überwiegend weiblichen Bekannten scheinen verwand zu sein, jedenfalls taucht der Nachname "XXX" relativ häufig auf. 1427 Bekannte. Wow, wann soll ich mir die alle anschauen? Und vor allem, wo? Denn schon die Miniaturbilder lassen vermuten das die Profilseiten nichts sind bei dessen Sichtung man von der Freundin oder dem Chef erwischt werden möchte. Wie macht der Kerl das blos? Seine Frau kennt anscheinend nur 42 Leute, aber wenn sich darunter auch nur ein guter Scheidungsanwalt befindet könnte das Match 1427 gegen 42 zu ihren Gunsten ausgehen.
Bei Facebook ist sicherlich interessanteres gebacken. Josef und Patricia sind jetzt befreundet. Das wurde auch Zeit, wir kennen uns schliesslich schon seit der Schulzeit, schön das es nun offiziell ist. Und nicht nur das, Karin gefällt das auch noch. Es geht aufwärts, das wird ein toller Tag, bei so vielen Neuigkeiten. Zudem hat Julian durch eine repräsentative Analyse verschiedener Antworten erfahren das er eine Gürtelschnalle wäre wenn man seine Identität in den Schränken eines durchschnittlichen Haushaltsinventars widerspiegeln würde. Was die Wissenschaft heute mit wenigen Fragen an's Tageslicht bringt ist unglaublich, noch vor 6 Wochen musste ich extra zum Hausarzt um zu erfahren das mein Schnupfen eine Sinusitis ist. Da ist Julian besser dran, denn Sinusitis wird auch in muffigen Kleiderschränken nur sehr selten auf Gürtelschnallen übertragen.
Zuguterletzt soll Xing in dieser schweren Wirtschaftslage die Pflege geschäftlicher Kontakte vereinfachen. Und das funktioniert wirklich hervorragend. Nach der Anmeldung offenbaren sich mir die beruflichen Trends meiner Kontakte. So ist Jens nun CEO und bietet ERP, RUP, CAD, DMS, GPM und CRM und ist CAO der Firma CLSRuV AG. Beeindruckend, und Hobbys wie Lesen, Essen und TV machen das Bild perfekt. Den könnte ich eigentlich gleich mal anschreiben, und mit 3,95 Euro pro Monat soll mir die Premium Mitgliedschaft diesen Traum verwirklichen. Ich würde ihn ja anrufen, da mir aber seine Kontaktdaten nicht freigegeben sind kann ich mir an dieser Stelle leider nur sein Profil angucken. Irgendwann wird aber auch er in die tollen Möglichkeiten des Social Networkings eintauchen und sich auf anderen Plattformen einfinden. Dann kann auch er gruscheln, Familie XXX kennen lernen und herausfinden welches Stück Haushaltsinventar seiner Persönlichkeit am nächsten kommt. Wobei ich gerade unpersönlichen Funktionen wie "Gruscheln" oder "Anstupsen" einen gewaltigen Mehrwert zugestehen würde wenn auch Funktionen wie "Fresse polieren", "aus dem Internet verbannen" und "Haustier vergiften" integriert würden. Man sollte jedoch bedenken das derartige, fast schon unhöfliche Funktionen schnell missbraucht werden können wenn mal wieder die Nutzerdaten eines Anbieters in die falschen Hände gelangen.
Herzlichst, Euer Sampled
Jeanette hat Hunger, Sebastian dröhnt der Schädel, Benjamin hat gefrühstückt, Susanne sucht ihre Armbanduhr und Frank wirbt für einen Event im 463 km entfernten Club um die Ecke… dazu zwei Krankmeldungen, Urlaubsgrüße, Danksagungen und Antworten auf Kommentare anderer die sich offenbar nicht in meinem Freundeskreis befinden. Ich hätte ebenso den Kaffeesatz lesen können, doch unser Espressoautomat wird gerade gewartet.
Weiter unten finden sich Gruppeneinladungen zur 152. Kölner Partyreihe, irgendne verzweifelte Henne hat mich gegruschelt und Janine Karamutzinzki hat Geburtstag. Wer ist das eigentlich? Der Blick auf ihre Fotos soll Klarheit bringen. Leider ist es mir nicht möglich sie auf verlinkten Eventflyern oder Hundefotos zu finden, noch ihre Identität anhand der zwei Berge im Doppel-D Dekolté des Profilbilds zu erahnen. Ich wünsche den beiden dennoch alles Gute auf der Pinnwand.
Weiter geht's zu Wer-kennt-Wen, eine Seite auf der man Leute die man Morgens auf dem Weg zum Bäcker fast überfahren hätte nun zum Bekannten machen kann, wenn man will. Und die meisten wollen, das zeigen Bekanntenlisten mit mehr als 1000 Einträgen sehr deutlich. Mein Freund Ralf z.B. kennt sehr viele Leute. Mehr als ich. Mehr als ich je kennen werde. Mehr als man es ihm, Mitte 40 mit Frau, Kind und dicker Hornbrille zutrauen würde. Und was das für Leute sind, unglaublich. Viele der überwiegend weiblichen Bekannten scheinen verwand zu sein, jedenfalls taucht der Nachname "XXX" relativ häufig auf. 1427 Bekannte. Wow, wann soll ich mir die alle anschauen? Und vor allem, wo? Denn schon die Miniaturbilder lassen vermuten das die Profilseiten nichts sind bei dessen Sichtung man von der Freundin oder dem Chef erwischt werden möchte. Wie macht der Kerl das blos? Seine Frau kennt anscheinend nur 42 Leute, aber wenn sich darunter auch nur ein guter Scheidungsanwalt befindet könnte das Match 1427 gegen 42 zu ihren Gunsten ausgehen.
Bei Facebook ist sicherlich interessanteres gebacken. Josef und Patricia sind jetzt befreundet. Das wurde auch Zeit, wir kennen uns schliesslich schon seit der Schulzeit, schön das es nun offiziell ist. Und nicht nur das, Karin gefällt das auch noch. Es geht aufwärts, das wird ein toller Tag, bei so vielen Neuigkeiten. Zudem hat Julian durch eine repräsentative Analyse verschiedener Antworten erfahren das er eine Gürtelschnalle wäre wenn man seine Identität in den Schränken eines durchschnittlichen Haushaltsinventars widerspiegeln würde. Was die Wissenschaft heute mit wenigen Fragen an's Tageslicht bringt ist unglaublich, noch vor 6 Wochen musste ich extra zum Hausarzt um zu erfahren das mein Schnupfen eine Sinusitis ist. Da ist Julian besser dran, denn Sinusitis wird auch in muffigen Kleiderschränken nur sehr selten auf Gürtelschnallen übertragen.
Zuguterletzt soll Xing in dieser schweren Wirtschaftslage die Pflege geschäftlicher Kontakte vereinfachen. Und das funktioniert wirklich hervorragend. Nach der Anmeldung offenbaren sich mir die beruflichen Trends meiner Kontakte. So ist Jens nun CEO und bietet ERP, RUP, CAD, DMS, GPM und CRM und ist CAO der Firma CLSRuV AG. Beeindruckend, und Hobbys wie Lesen, Essen und TV machen das Bild perfekt. Den könnte ich eigentlich gleich mal anschreiben, und mit 3,95 Euro pro Monat soll mir die Premium Mitgliedschaft diesen Traum verwirklichen. Ich würde ihn ja anrufen, da mir aber seine Kontaktdaten nicht freigegeben sind kann ich mir an dieser Stelle leider nur sein Profil angucken. Irgendwann wird aber auch er in die tollen Möglichkeiten des Social Networkings eintauchen und sich auf anderen Plattformen einfinden. Dann kann auch er gruscheln, Familie XXX kennen lernen und herausfinden welches Stück Haushaltsinventar seiner Persönlichkeit am nächsten kommt. Wobei ich gerade unpersönlichen Funktionen wie "Gruscheln" oder "Anstupsen" einen gewaltigen Mehrwert zugestehen würde wenn auch Funktionen wie "Fresse polieren", "aus dem Internet verbannen" und "Haustier vergiften" integriert würden. Man sollte jedoch bedenken das derartige, fast schon unhöfliche Funktionen schnell missbraucht werden können wenn mal wieder die Nutzerdaten eines Anbieters in die falschen Hände gelangen.
Herzlichst, Euer Sampled