Verschiedene Arten von Übergängen

Sabus
Als Amateur-Mixtaper sind mir an mir selber und an anderen Mixtapes nun verschiedene Arten von Übergängen aufgefallen:

1. Bass von Lied 1 + Bass von Lied 2 reinfaden (wenn BPM Zahl passt)
2. Bass von Lied 1 + Mids von Lied 2 reinfaden oder umgekehrt (dito)
3. Bass von Lied 1, dazu langsam Vocals von Lied2 reinfaden oder umgekehrt (dito)
4. obige Kombinationen mit nicht passenden BPM-Zahlen
5. Loop eines dritten tracks (z.B. vocals/mids) bei Ende von Lied 1 einfaden, Lied 1 ausfaden, Lied2 einfaden, Loop ausfaden. Loop sozusagen als "Brücke" zwischen den beiden tracks verwenden

Bei 4. würde mich interessieren wie ihr das bei nicht vorhandenem Beatmatching macht. Pitched ihr Lied 2 so dass es von der BPM Zahl passt und lässt es dann oder überblendet ihr lediglich die ersten paar Takte wo die verschiedenen BPM Zahlen noch nicht auffallen?

Mich interessiert allgemein welche Art von Übergängen es noch gibt/ihr am häufigsten anwendet.

Achja falls mein wording nicht korrekt ist dann lasst es mich bitte wissen!
Diffie Hellman
Hi Sabus

Ist zwar schon spät aber ich versuche mal schnell noch ein paar "erste Antworten" rauszuhausen. bis mir die Augen ganz zufallen smile

Grundsätzlich (classich) wird zu 90% immer der Beat des eines Tracks zuerst in eine
passende Stelle des laufenden Tracks gemischt. (meistens eine minimalere Stelle)
Hört die Bassline im laufendtrack auf - sollte möglichst die Bassline des 2ten Tracks anfangen. ! Nicht vorher !
Genauso ist es bei den Vocals - Leads - dominierenden Perc-lines und Drumlines.
Bei Drum + Perclines kann man sich gut mit dem EQ helfen, um diese im 2ten Track
vor dem hineinmischen abzusenken und dann langsam oder im richtigem Moment
"auszutauschen".
Es gibt ein "ungeschriebenes Gesetzt" gerade bei Dancefloor und Housetrax - die Anzahl der Tackte bis sich etwas im Arrangment ändert !!
Daran halten sich die meisten Produzenten diese Genres (selbst bei DnB - Dupstep die zwar sehr komplexe Drum und Breaks haben - wird dies eingehalten)
Nicht unbedingt um es dem DJ leichter zu machen cool sondern damit man überhaubt
darauf tanzen kann. Zu komplexe Tackt-wechsel gehören eigentlich nur in den Free-Jazz oder der Modernen Oper Kucken )

Die Tacktanzahl ist immer 4 - 8 - 16 - 32 - etc. (4-da-floor ebend *zwinker)
Das heisst soviel das sich etwas im Tack nach 4 oder 8 oder 16 ändern kann
z.B. eine Bassline anfängt - oder die Vocals beginnen.
Nicht immer ist zwingen ein "hörbarer Beat" notwendig - aber jeder der sich
länger mit Musik beschäftig "zählt automatisch" mit. Man spürt es einfach.

OK - das soweit - alles Andere ist "Musik" smile

****

Zu 1.
Bassline und Bassline würde ich eigentlich möglichst nicht übereinanderlaufen lassen.
Das geht zu 99.9% schief und gibt nur "Bass-salat" - besonders wenn die Tonhöhe (Key)
nicht stimmt.
Es gibt ein paar spezial-Techniken um 2 Basslines zu mischen - aber die sind recht "aufwendig". Bass (und Beat) tragen ja einen Dancefloor-Track und falls wirklich
gar keine andere Stelle im Track sich mischen läast - hilft nur ein "sauberer Cut"
der im Tackt liegen sollte.

Zu 2.
Das geht zwar - kommt aber auf die Tracks an die du mischen willst.
Hier ist auch wieder wichtig das die Tonhöhe zusammenpasst - bzw.
sich musikalisch vertragen. Sonst wirds "schräg".
Ein Filter oder EQ ist hier auch nicht schlecht um in das Frequenzband einzugreifen.

Zu 3.
Siehe "zu 2." smile sind ja auch Mitten.
Bei Vocal ist noch anzumerken - das diese natürlich vom "gesungen" Timing auch zur Bassline passen sollten und sich nicht gegenseitig behindern. Sonst "Salat"

zu 4.
Uiiii .... nicht passende BPM - geht eigentlich gar nicht. unglücklich
Pitchen - bzw. "digitales Slicen" wie es Traktor macht ist "PFLICHT"
Ausser die Vocals sind nur "Gelaber" also nicht "gesungen" - das geht natürlich immer.
Aber auch hier gilt "Tonhöhe" möglichst passent - jeder auch mit ungeschultem Ohr
hört sofort, das da was nicht stimmt.
Aussnahmen bestätigen die Regel natürlich.
Wenn es gar nicht mehr zu pitchen geht "by Vinyl" hilft nur wiede rein sauberer Cut.
Oder man kann hier auch mit ein paar "Audio-Effekten" arbeiten - die man zwischen
die Trackx "klemmt".

Zu 5.
Mit Loops arbeiten ist eigentlich eine feine Sache und kann einen Mix und besonders den Übergang sehr aufwerten. Aber - weniger ist hier oft mehr.
UND - man sollte gut mit einem EQ umgehen können.
Beim Digitalem Mixining ist das heute ja gar kein Problem mehr - da Traktor und Co.
für jedes Deck auch eine sehr gute Loopfunktion haben - die man per Mausklick oder
Controller-patt einschalten kann und sich "rhytmisch" bewegen lässt.
Aber auch hier gilt "Wissen über die Tonhöhe" spart viel Ärger im Sound - gerade
wenn man mehrere Loops / Tracks übereinander hat.

****

nochmal zu 4.
Nur die ersten Tackte eines Tracks kurz anzuspielen - klingt halt dann nur wie ein Cut.
Kann cool sein - auf Dauer aber "langweilig".
Über BPM hatte ich ja schon gesprochen, die immer stimmen sollte.
Wenn 2 Tracks sich aber - so gar nicht - vertragen wollen, ist Cutten immer besser als ein halbguter Fader-Übergang. Der Zuhörer wird es einem danken.

****

Es gibt natürlich so viele Übergänge wie es "Kreative Einfälle" gibt.
z.B. kann man auch Scratchen, Zick-Zack-mit dem Fader spielen oder Song - rein - alten Track "rückwärts drehen ..... etc etc etc. ...
Muss man einfach mal rumprobieren.

Digital mischen ist noch "vielseitiger" .....
Es gibt ja bei einiger DJ-Software die Möglichkeit von VST-Effekten - da gibt es sehr
interessante Tools die mit "Glitches" arbeiten können. Ein "Glitch" ist eine kurze Aufnahme vom original-Track der dann mit Effekten bearbeiten wird und in den Track (Audiostream) zurückgeschickt wird. So lassen sich auch digital "Scratch-Effekte" oder Tap-Stops .etc.... sehr glaubhaft realisieren.
Oder ein Gate jeweils auf ein Deck geroutet - kann auch für Spannung sorgen smile
Hall, Flanger und Delays bringen die meisten DJ-Tools als Standard mit.
!! Weniger ist hier auch oft mehr !!

Digital gibt es noch die Möglichkeit sich eigenen "Mash-ups" zu basteln.
Das ist wieder ein ganz eigenen Thema und man muss natürlich vorher
etwas Zeit infestieren.

So das soll erstmal als "kleiner Anfang" genügen
Wenn du noch Fragen hast - frag darauf los.
Ich weiss ja nicht wie weit du dich schon eingearbeitet hast smile

***
PS. Danke auch für das Compliment zu meinem "Grooves in the Sun" auf Soundcloud
werde mir deinen Mix auch bei 'Gelegenheit mal anhören.
Und die fehlende Playlist mit dem "ganzen Set" findest du auf meinen "House-Mixes.com-Profil"
Schau mal unten in meine Signatur ---> smile

Da kannst du wenn du willst dir auch mal das "Balkan Mix" anhören (DL ist auch möglich) - in den Set hatte ich recht "schweres Material" verarbeitet und musst viel tricksen in den Übergängen, damit es noch nach Mixen durchgeht.
Vieleicht inspiriert dich ja der ein oder ander Übergang.

So jetzt geh ich noch ein paar Stunden pennen - erstmal

Hukx Diffie
Sabus
Zitat:
Original von Diffie Hellman
zu 4.
Uiiii .... nicht passende BPM - geht eigentlich gar nicht. unglücklich
Pitchen - bzw. "digitales Slicen" wie es Traktor macht ist "PFLICHT"
Ausser die Vocals sind nur "Gelaber" also nicht "gesungen" - das geht natürlich immer.
Hukx Diffie


Hmm das interessiert mich jetzt schon genauer. Denn bei nicht ganz passenden BPM Zahlen, z.B. 138 und 135 sind ja die ersten Takte noch im Rhythmus erst bei zunehmender Anzahl der Takte merkt man die Differenz der drei Beats pro Minute (oder liege ich da falsch?) Und selbst wenn mal ein zweiter Beat auf die "zwei" fällt: synkopen haben doch auch etwas feines oder nicht? oder kommt das gar nicht vor?
Was ist mit digitalem Slicen gemeint? Ich habe z.B. bei meinen Mixtapes die BPM Zahl durch manuelles Ausschneiden (Rasierklingen-Werkzeug in Adobe Audition :-) und zusammenfügen "zusammengeschustert" so dass es zu dem anderen Track passt (immer auf die "eins") Ist das mit Slicen gemeint? und wenn ja, macht Traktor/man das dann für das komplette zweite Lied oder nur den überlappenden Teil?

Vielen Dank Diffie auf jeden Fall für deine ausführliche Erklärung es hat mir schonmal sehr geholfen! Zum Thema einarbeiten: so richtig Mixtapes erstellen tue ich erst seit ca. 2 Wochen. Aber ich hoffe dass ich durch meinen musikalischen Hintergrund und das ekszessive Anhören von anderen Mixtapes mich relativ schnell einarbeite. Softwaremäßig arbeite ich mit Adobe Audition welches m.E. sehr intuitiv bedienbar ist und für mein Niveau eigentlich vollkommen ausreicht. Lediglich mit den Softwarefiltern bin ich ziemlich unglücklich da ich es nicht gebacken bekomme den Bass oder die Mittleren Töne komplett rauszufiltern, selbst mit 30 Band EQ. Irgendwie mach ich da was falsch oder die tracks haben zu minderwertige qualität.
Über ein Feedback besonders zu den Übergängen (gerne auch zum Rest) in meinem Mixtape "Regenschein" würde ich mich sehr freuen!
Das zweite Mixtape ist jetzt leider "hidden" da SC meinte meine trax hätten die zulässige Zeit überschritten. Naja das erste war eh mehr experimentell.

Schönen Sonntag noch!
Sabus
grinsemarc
hätte nicht gedacht das er eine antwort bekommt und dann noch eine so ausführliche. Augen rollen
Diffie Hellman
Zitat:
Original von grinsemarc
hätte nicht gedacht das er eine antwort bekommt und dann noch eine so ausführliche. Augen rollen


warum nicht smile
mal was Anderes als immer nur Trax-request und die "neuesten" Trax zu posten cool fröhlich Augenzwinkern
Diffie Hellman
Zitat:
Original von Sabus
Hmm das interessiert mich jetzt schon genauer. Denn bei nicht ganz passenden BPM Zahlen, z.B. 138 und 135 sind ja die ersten Takte noch im Rhythmus erst bei zunehmender Anzahl der Takte merkt man die Differenz der drei Beats pro Minute (oder liege ich da falsch?) ........
Sabus


- du bekommst ohne die Geschwindigkeit anzupassen nie einen fliesenden Übergang hin smile und 138 - 135 - also 3 BPM - ist verdammt viel. Schon bei einem Unterschied von nur 0,5 Bpm hört man das nach einem Takt - das es nicht mehr stimmt.
Mit der "Rasierklinge" gleicht du zwar die Geschwindigkeit im Übergang auch an, aber
das wäre mir viel zu viel Fummelei. Ausserdem schneidest du ja dabei auch immer ein Stückchen vom Song weg. Ist irgendwie nicht das was man unter DJ-Arbeit versteht.
Audition ist jetzt auch nicht unbedingt eine DJ-Software.
Du kannst damit zwar "Offline-Sets" erstellen, aber mir würde da was fehlen, wenn ich den Track nicht spüren könnte beim zusammenmischen.
Ist ein anderes Feeling und der Übergang ist nicht so statisch.
Du kannst dich ja erstmal mit den "Freeware-Kanditaten" ausprobieren oder dir eine Demo von "Traktor" oder BPM-Studio besorgen.
Ich setzte dir mal die Links unten an diesen Tread - weil muss ich separat rauskramen.

Ein Slices ist eine Takt-Markierung im Track.
Es werden - je nach Software oder Algorythmus "jeder Takt" oder nur an relevanten Stellen im Track analysiert und diese denn mit den Takt-Slices im 2ten Track syncronisiert. Meistens wird hier , um zwischen 2 Slices zu "dehnen" oder "stauchen"
die Timestretching-Methode angewendet. D.h. die Geschwindigkeit ändert sich aber die Tonhöhe bleibt gleich. Würde man nur Pitchen - zerstört man den Original-Groove schon nach +/- 2 BPM Unterschied und das will man ja nicht. Auch gibt es keinen "Mickeymouse-Effekt".
Das macht musikalisch sehr viel Sinn und hat sich bei den DJ-Tools weitesgehend durchgesetzt



Zitat:
Original von Sabus
.....Lediglich mit den Softwarefiltern bin ich ziemlich unglücklich da ich es nicht gebacken bekomme den Bass oder die Mittleren Töne komplett rauszufiltern, selbst mit 30 Band EQ. Irgendwie mach ich da was falsch oder die tracks haben zu minderwertige qualität. .........
Sabus


Je besser die Qualität, umso besser kann ein EQ/Filter natürlich arbeiten.

Mit einem normalen Band.EQ kann man auch nicht unbedingt gut bestimmte Frequenzen eliminieren. Dafür gibt es parametrische EQ's und spezial Filter die mit einer einstellbaren Flangkensteilheit arbeiten. Ein Band-EQ hat halt feste Frequenzbänder die man nicht verändern kann und sind eher für das Absenken von
ganzen Bereichen gedacht.

Schau dich auch hier mal auf dem Freewaremarkt um. Da gibt es sehr brauchbare Lösungen.

OK hier mal die Links - Probiere die einfach mal aus
Teilweise kann man damit schon recht gut Arbeiten und wenn du dich damit
erst ein paar Wochen beschäftigst - lernst du schonmal das Grundprinzip
der DJ-Set's smile

zuerst mal eine ganze Liste smile wo alle DJ-Software drauf ist
Praktisch ist du kannst die Freeware selektieren für dein BS.
http://www.netzwelt.de/software-list/7-dj-software.html

uns spezielle hier die Demo/Shareware vom Traktor Pro
die man sich auf alle Fälle mal anschaun sollte.
Da sieht/hört man auch recht schnell - was mit Slices gemeint ist.
http://www.netzwelt.de/download/3193-traktor-pro.html

Es gibt auch noch einen Open-source-Kanditaten - den miXmum -
der sehr vielseitig ist und sich bei verschiedenen High-End-Programmen abschaut Freude
Ist nocht etwas komplex und schwer zu durchschaun - arbeitet
aber schon sehr gut und stabil.
http://sites.google.com/site/fiensprototyping/home

Und wie gesagt - klar ist Audition für ein Offline-Set zu erstellen ganz OK.
Aber es macht einfach viel mehr Spass das Set live einzumischen und
man bekommt dann einfach ein ganz anderes Feeling für die Tracks die man
zusammenmischen will.
Ist wie beim Guitar oder Piano spielen. Selbst eingespielt klingt es einfach lebhafter,
als nur mit der Maus die Accorde im Sequencer hin-und-her zuschieben.

Viel Spass und falls du noch Fragen hast
frag einfach. Was ich hier machen kann ist natürlich nur Theorie - üben musst du dann
schon selbst Super DJ

Hukx Diffie